alphamädchen
The whole culture is telling you to hurry, while the art tells you to take your time. Always listen to the art.
Maria//18//Germany


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Sie ließ alles hinter sich. Mit jedem weiteren Schritt ließ sie das Gestrüpp ihres Lebens, ein trüber nichtssagender,verschwommener Meeresgrund aus Erinnerungen und Sorgen, hinter sich. Mit jedem Schritt löste sie sich von Menschen, Erinnerungen, Erfahrungen und ihrem alten Leben. Sie wusste, dass sie das richtige tat und jeder ihrer Schritte war eine aufwirbelnde Welle, die Platz für Neues schuf.
Sie überkam eine Woge von purer, unbeeinflusster und klarer Glückseligkeit. Sie fühlte sich frei. Frei im Herzen und im Geist. Frei in jedem einzelnen noch so kleinen Knochen. Frei in jeder Vene, in jedem Muskel, in jeder einzelnen Zelle. Frei mit jedem Herzschlag und mit jedem Atmenzug, mit jedem Zwinkern, mit jeder Bewegung, mit jedem Gedanken. Frei mit jeder neuen Idee. Mit jedem Schritt spürte sie die Freiheit ihn ihrem Herzen aufwogen.
Sie konnte das Meer schon riechen, oder bildete sie sich das nur ein? Der Wind strich ihr liebevoll durch die Haare, wie ein verlorengegangener Freund der sie begrüßt und sie auf ihren neuen Wegen begleiten wird. Es war stockdunkel. Nur der sternenklare Himmel schien sie zu rufen, schien ihr ein Lied wie sich Freiheit anfühlt vorsingen. Selbst die Grillen gaben ihr Mut und Kraft für ihre Zukunft und schienen „Lauf weiter und du wirst frei sein“ zu zirpen.
Sie konnte die Freiheit schmecken, sie hören, sie sehen und in ihrem Innern breitete sich diese Freiheit aus wie ein Tsunami und überschwemmte all ihre anderen Gefühle, die Sorgen und Zweifel.
Sie wusste nicht wie lange sie schon unterwegs war, zwei Stunden oder waren es doch schon sechs? Sie war bei Abendgrauen aufgebrochen, ohne ein Wort oder Blick zurück. Für sie gab es nur noch die Zukunft und nichts hielt sie mehr an diesem Ort. Sie war hier aufgewachsen, hier hatte sie ihre ersten Schritte getan, hatte ihr erstes Wort gesprochen, das erste Mal geweint und war das erste Mal verliebt gewesen, das erste Mal das Herz gebrochen bekommen, hier hatte sie ihre Mutter verloren, war das erste Mal verzweifelt gewesen, wurde hier das erste Mal geliebt, sie war hier entstanden und geprägt worden.
Doch „Zuhause“ war es schon lange nicht mehr.“Gepasst“ hatte sie noch nie. Heimat, war das der richtige Begriff für diesen Ort? Doch warum fühlte sie sich beim Verlassen so frei? Heimat und Freiheit, das war hier nicht verbunden.
Sie kam zügig voran, hob nun den Kopf als ein Schwarm Vögel über sie hinweg flog. Der Inbegriff der Freiheit, dachte sie sich und beneidete sie. Heimat war für sie auch Freiheit. Wie gerne wäre sie ein Vogel, könnte fliegen wohin sie wollte, eine grenzenlose Freiheit spüren.
Die kristallklare Luft schmeckte jetzt deutlich nach Salz, es dämmerte schon langsam und die Natur begann zu erwachen.Alles kam in Bewegung und sie war ein Teil. Sie schritt über eine Brücke, wie ein Zeichen, dass genau jetzt ihr neues Leben beginnen wird. Das Meer kam in ihr Blickfeld und sie beschleunigte ihre Schritte, beinahe rannte sie. Endlich war sie weg und wusste dass sie nie wieder an diesen gottverlassenen Ort zurückkommen würde. Sie ließ ihren schweren Rucksack und all ihre Taschen von ihren Schultern in den Sand rutschen, streifte ihre klobigen Schuhe ab und rannte zum Meer. Auf dem Weg entkleidete sie sich und sprang mit einem lauten, jauchzenden Lachen ins Wasser, wusch sich alles vom Leib. Und als sie ihren ersten Zug schwamm, schauten die ersten Sonnenstrahlen hervor. Mit jedem weiteren Zug fühlte sie sich stärker und gewappnet für all das was kommen mochte. Sie gleitete unter Wasser, tauchte tief zum Grund. Das Salz brannte ihr in den Augen als sie sie öffnete, aber sie erhaschte gerade noch einen Blick auf einen blau-silbrigen Fisch, den sie aufgescheucht hatte. Sie selbst würde bald ein Fisch und ein Vogel zugleich sein, immer auf dem Wasser, immer an der Luft, immer weiterziehend, auf der Durchreise, überall frei, überall zuhause.
Sonnenstrahlen schienen durchs Wasser und ließen alles erstrahlen, es raubte ihr den Atem und ein Gefühl, dass sie noch nie zuvor gespürt hatte, überkam sie. War es wieder Freiheit oder Glückseligkeit, war es Erleichterung oder Vorfreude? Sie wusste es nicht, konnte dieses himmlische Gefühl nicht benennen. Doch sie wünschte sich, dass es nie wieder verschwinden würde.

Als sie wieder aus dem Wasser kam, zog sie sich ihren Rock und Bluse wieder an und schulterte ihren Rucksack. Es war nur noch etwa einen Kilometer am Strand entlang, Füße im Wasser und Blick nach vorne gerichtet. Sie musste sich beeilen, damit sie rechtzeitig Anker lichten konnte. All die Mühe, das Sparen aufs Boot,für den Proviant damit sie die ersten Wochen auskommen würde und den Segelschein, zahlten sich nun aus, sie hatte es geschafft. Jetzt war sie bereit und konnte in der Ferne schon ihr Boot erahnen. Das hier war ihr Traum und sie war bereit alles für ihn aufzugeben.
Auf zu neuen Ufern dachte sie bei sich, als sie endlich den Anker ihres kleinen, bescheidenen Segelboot lichtete und in Richtung Freiheit segelte.

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